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Meine ersten Erkenntnisse

Ist das eine Sackgasse?


Interview

Frau Sonja Hasewend von der „Kleine Zeitung“ (Stmk) hat am 14. Juni 09 ein Interview mit dem Franzosen Andre Stern (38) abgedruckt, der nie zur Schule gegangen ist. Gebildet ist er dennoch außerordentlich. Da ich als Vater beim Lesen dieses Interviews eine Bildungslösung für meine Kinder spürte, möchte ich dieses Interview hier nochmals zum Nachlesen vorstellen. Es soll zeigen, dass man auch ohne Druck und Gewalt etwas im Leben schaffen kann und dass man die Begabungen der Kinder einen freien Lauf geben soll.

Das Interview trägt den Titel:


Alle Kinder sagten: „Hast Du Schwein“

Sie erzählen in Ihrem Buch … und ich was nie in der Schule“, über ihr Leben fernab des Klassenzimmers. Warum haben Ihre Eltern Sie nicht in die Schule geschickt?

Andre Stern: Sie haben immer mit Kindern gearbeitet und dabei die tiefe Überzeugung gewonnen, dass Kinder keiner Beeinflussung von außen bedürfen, um eine voll gültige Entwicklung zu erleben. Daher war es für sie absolut selbstverständlich, dass ihre Kinder nicht in die Schule gehen.

In Österreich gibt es eine Unterrichtspflicht mit Lehrplanzielen, die ein Kind erfüllen muss. Ist das in Frankreich nicht so?

Stern: Es gibt keine Schulpflicht, aber eine Bildungspflicht. Was aber ein vager Begriff ist. Wir wurden nicht geprüft.

Ihre Eltern waren ja beide selbst Pädagogen ….

Stern: Meine Mutter war Volksschullehrerin. Sie war unglücklich, weil ihr die Institution ihr Programme auferlegte. Als sie die Arbeit meines Vaters Arno Stern entdeckte, hat sie ihren Weg gefunden. Und als ich und meine Schwester auf die Welt kamen, hat meine Mama ihren Beruf aufgegeben. Nicht, um sich um uns zu kümmern, sondern um unsere Kindheit nicht zu verpassen.

Wie kann man sich den Tagesablauf eines Kindes, ganz ohne Stundenplan vorstellen?

Stern: Die ersten Merkmale unserer Kindheit waren Struktur und Regeln. Es gab familiäre Regeln. Dann gab es wöchentliche Kurse. Und es gab eine eigene Struktur, viel Zeit für Entdeckungen. Zum Beispiel: Als ich mich für die deutsche Sprache interessiert habe, konnte ich sechs Stunden am Tag Deutsch lernen.

Wieviele dieser Strukturen haben ihnen Ihre Eltern vorgegeben?

Stern: Das entstand im Rahmen des Zusammenlebens. Meine Eltern hätten nie eine Tätigkeit unterbrochen, es sei denn, es war Zeit, zu essen oder ins Bett zu gehen. Vertrauen ist die Hauptsache. Wir wussten: Die jetzt wegen Essens unterbrochene Tätigkeit kann nahtlos nach dem Essen fortgesetzt werden.

Wurde Ihnen gar nichts vorgegeben, das sie lernen sollten?

Stern: Nein, nie.

Hatten Sie nie das Bedürfnis, mit anderen, gleichaltrigen Kindern zusammen zu lernen? Sich von den Eltern abzugrenzen?

Stern: Man meint immer, dass Kinder unbedingt gern mit anderen Kindern sind. Ich hatte und habe viele Freunde. Wir waren viel unterwegs. Das waren keine zufällig getroffenen Leute, die die Schule vereint hätte. Alter, Herkunft, Religion, soziale Schicht waren verschieden.

Wie haben andere Kinder darauf reagiert, dass sie nicht zur Schule gingen?

Stern: Ich war nie ein Außenseiter. Die anderen Kinder fragten mich: „In welche Klasse gehst du?“ Ich sagte, dass ich nicht in die Schule gehe. Die Antwort war immer: „Mensch hast du Schwein“

Und wie sahen Sie die Kinder, die in die Schule gingen?

Stern: Ich sah, dass sie schrecklich wenig Zeit hatten zum Spielen, weil sie entweder in die Schule oder Hausaufgaben erledigen mussten. Das war nicht sehr appetitlich.

Im Berufsleben gibt es einen Leistungsdruck, auf den uns die Schule vorbereiten soll. Fehlt Ihnen diese Vorbereitung manchmal?

Stern: Nein, ich wurde nicht auf die reale Welt vorbereitet, weil ich schon immer drinnen war. Den Druck der Gesellschaft kenne ich schon immer.

Dennoch kann man im Berufsleben ja nicht immer machen was man gerade möchte ….

Stern: Dass ich frei war, mich dem zu widmen, was mich interessiert hat, bedeutet nicht, dass ich immer nur getan habe, was ich wollte. Allerdings ist Schulkritik nicht meine Sache. Ich berichte nur darüber, dass es diese andere Möglichkeit gibt. Dass man deshalb nicht Analphabet, asozial oder wild werden muss.

Ihre Eltern waren Pädagogen. Nicht viele Kinder haben derart gebildete Eltern. Ein Handicap für diesen Weg?

Stern: Sicher gibt es viele Personen, die das nicht ermöglichen könnten oder wollten. Ich sage auch nicht, dass man die Schule abschaffen sollte. Aber es gibt eine Menge Menschen, die darüber nachdenken würden, wenn sie wüssten, dass es diese Möglichkeit eben auch gibt.

Wenn Sie einmal Kinder haben, werden sie in die Schule gehen?

Stern: Meine Kinder schicke ich gewiss nicht zu Schule. Aber wenn sie hingehen wollen, werden sie das natürlich dürfen.


Zur Person: Andre Stern wurde 1971 in Paris geboren. Er ist Musiker, Gitarrenbaumeister, Komponist, Journalist und Autor. Er ist der Sohn von Arno Stern, einem deutsch französischen Kulturpädagogen. Sein Buch „ … und war nie in der Schule“ erschien im Zabert Sandmann Verlag. In Graz nahm er als Gastvortragender am Symposium „Der Kindergarten ist erwachsen“ des Interkulturellen mehrsprachigen Kindergartens teil.

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